Autor Véronique Traber, 19.07.21 14:46

Randstad fühlt seit über 20 Jahren den Puls des Arbeitsmarktes und befragt dafür knapp 200'000 Personen in 34 Märkten. Die Daten zeigen ein Bild der aktuellen Situation aber auch Entwicklungen durch Megatrends und Einflüsse neuer Generationen von Arbeitnehmenden. Erfahren Sie hier, worauf hochqualifizierte Schweizer bei der Wahl des Arbeitgebers achten.

Warum Employer Branding sinnvoll ist

Aber lohnt es sich überhaupt, eine starke Arbeitgebermarke aufzubauen? Sind die Arbeitssuchenden wirklich so kritisch und anspruchsvoll? Die Zahlen zeigen ein klares Bild: Unternehmen mit einer schwachen Arbeitgebermarke müssen diesen Nachteil über höhere Gehälter (bis zu 10 % höher) kompensieren, doch die Hälfte der Befragten sagt, dass sie selbst für mehr Geld nicht bei einem Unternehmen mit schlechtem Ruf arbeiten wollen. Der Schlüssel zur Zufriedenheit von Mitarbeitenden liegt in der Übereinstimmung von persönlichen Werten mit denjenigen des Unternehmens, sagen 96 % der Befragten. Und auch hier reichen schöne Worte nicht aus: nur 19 % der Studienteilnehmenden sehen diese starke Übereinstimmung zwischen dem, was ihr Arbeitgeber über sich selbst sagt und ihrer Erfahrung, dort zu arbeiten. Über 80 % sehen die Versprechen nicht oder nur teilweise eingelöst.

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Die ideale Welt

Was ist denn nun die ideale Welt aus Sicht der Arbeitnehmenden? Was muss ein Arbeitgeber bieten? 

Für die Schweiz sehen die Top-Ten 2021 wie folgt aus (1 bis 10): 

  1. angenehme Arbeitsatmosphäre, 
  2. wettbewerbsfähiges Gehalt und Sozialleistungen,
  3.  Arbeitsplatzsicherheit, 
  4. Work-Life-Balance, 
  5. finanzielle Stabilität, 
  6. Zukunftsperspektiven, 
  7. Möglichkeit von Homeoffice, 
  8. gibt der Gesellschaft etwas zurück, 
  9. COVID-19 sichere Arbeitsumgebung, 
  10. hervorragender Ruf. 

 

Die ersten fünf Kriterien haben sich in den letzten drei Jahren nicht verändert und variieren nur im Ranglistenplatz. 

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Wer wählen kann, ist wählerisch

Neben spezifischen Branchen wie dem Gesundheitswesen oder naturwissenschaftlichen Berufen sind vor allem hochqualifizierte Arbeitnehmende gefragt. Auch wenn derzeit in der Schweiz der Anteil der 25- bis 34-Jährigen mit Tertiärabschluss schon bei ca. 46 %* liegt, sind wir im Vergleich zu Kanada oder Korea (beide 60+ %*) noch im Hintertreffen. Das Streben nach hoher Wertschöpfung führt auch zu mehr Bedarf an sehr gut ausgebildeten Mitarbeitenden. 

Die Randstad Studie hat gezeigt, dass die Hochqualifizierten Schweizerinnen 11 von 16 abgefragten Arbeitgeberkriterien eine höhere Bedeutung zumessen, als Personen mit mittlerem oder tieferem Ausbildungsniveau dies tun. Eine Ausnahme war beispielsweise das Kriterium «COVID-sicheres Arbeitsumfeld». Darauf sind vor allem Berufsleute im Bereich Gastro, Einzelhandel oder Produktion sensibilisiert, die wiederum tendenziell eher keinen Tertiärabschluss vorweisen. Arbeitssicherheit und finanzielle Stabilität des Arbeitgebers sind bei allen Arbeitnehmenden ähnlich hoch gewichtet.

 

Der Rahmen muss stimmen

Wer die Randstad Studie danach auswertet, was Hochqualifizierte in der Schweiz vor allem von Arbeitgebern erwarten, erkennt zwei Cluster. In der Top-Kategorie mit über 70 % der Nennungen, finden sich die eigentlichen Rahmenbedingungen für einen Job: Arbeitsklima, Gehalt und Sozialleistungen und die Work-Life Balance. Bei all diesen Kriterien spielt aber nicht Maximierung eine grosse Rolle, sondern Fairness. Damit gemeint sind Transparenz und Offenheit im Umgang, wettbewerbsfähige Entlohnung sowie eine gute Balance von Leistungsbereitschaft und Raum für persönliche Interessen.

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Eine zweite Kategorie mit über 60 % der Nennungen bilden inhaltliche Themen: gesucht und gefordert werden interessante Aufgaben und Zukunftsperspektiven. Das Kriterium «gibt der Gesellschaft etwas zurück» gehört interessanterweise nicht dazu. Der Fokus scheint eher bei einer persönlichen Optimierung als bei altruistischen Motiven zu liegen. 

Der Ruf der Unternehmung, Diversität und Integration sowie starke Führung werden zwar auch höher gewichtet als bei den Berufsleuten mit mittlerer oder tieferer Bildung, platzieren sich im Kriterienkatalog aber auf den hinteren Rängen.

Was ist nun das Fazit für einen Arbeitgeber? Hochqualifizierte sind gesucht und darum auch umworben. Weiche Faktoren wie das Arbeitsklima, die Work-Life-Balance oder Perspektiven und Inhalte werden von ihnen sehr hoch gewichtet. Schweizer Arbeitgeber wiederum haben laut Studie das Image, vor allem finanziell stabil zu sein, einen hervorragenden Ruf zu geniessen und sichere Arbeitsplätze zu bieten. Diesen Gap zwischen Image und Erwartungen gilt es zu schliessen, wenn das Profil des Arbeitgebers auch als Köder für Hochqualifizierte genutzt werden soll.

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* OECD Factbook

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